Methodik
Limitationen und Qualitätssicherung
Die Datenerhebung und Auswertung erfolgte im Rahmen eines Seminarprojekts und basierte auf einer manuellen Kodierung durch mehrere Codierende. Auch bei gemeinsam abgestimmten Richtlinien kann in solchen Verfahren nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass einzelne Kategorien unterschiedlich interpretiert werden. Dies betrifft insbesondere Variablen, die inhaltliche Einschätzungen erfordern, und stellt eine grundsätzliche methodische Limitation dar.
Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus dem Untersuchungsdesign. Kodiert wurden ausschließlich die zehn erfolgreichsten Videos pro TikTok Account. Damit lassen sich keine generalisierenden Aussagen über die gesamte Kommunikationspraxis einzelner Politiker:innen ableiten, etwa im Hinblick auf langfristige Strategien oder wiederkehrende Muster in der politischen Inszenierung. Gleichzeitig ermöglicht dieses Vorgehen eine fokussierte Analyse jener Inhalte, die innerhalb der Plattform die höchste Sichtbarkeit erzielen.
Zur Sicherung der Datenqualität wurden im Verlauf des Projekts wiederholt Plausibilitätsprüfungen sowie Datenbereinigungen vorgenommen. Ergänzende Kennzahlen deuten darauf hin, dass die Auswahl der erfolgreichsten Videos in den meisten Fällen konsistent umgesetzt wurde. Darüber hinaus wurden inkonsistente oder fehlerhafte Einträge, etwa fehlende Links, Tippfehler oder unplausible numerische Angaben, im Rahmen der finalen Datenaufbereitung systematisch korrigiert.
Für zukünftige Erweiterungen des Datensatzes wäre die Aufnahme zusätzlicher Variablen denkbar. Insbesondere die Art des Beitrags, beispielsweise Video, Foto oder Fotoreihe, könnte eine differenziertere Analyse von Unterschieden in der Performance zwischen verschiedenen Inhaltsformaten ermöglichen.
Zukunft
Aus der vorliegenden Untersuchung ergeben sich mehrere offene Fragen, die im Rahmen des gewählten Forschungsdesigns nicht abschließend beantwortet werden können. Insbesondere lassen sich keine generalisierenden Aussagen zu TikTok Accounts ableiten, etwa im Hinblick auf langfristige Kommunikationsstrategien oder potenzielle Prozesse der Personalisierung beziehungsweise Privatisierung politischer Inhalte. Dies ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass ausschließlich die zehn erfolgreichsten Videos pro Account kodiert wurden. Weniger reichweitenstarke, jedoch potenziell inhaltlich oder strategisch relevante Beiträge bleiben somit unberücksichtigt.
Für zukünftige Forschung ergeben sich daraus mehrere zentrale Ansatzpunkte. Bei erweiterten zeitlichen und personellen Ressourcen könnte eine systematischere Erfassung von Trends auf TikTok erfolgen, beispielsweise durch längere Beobachtungszeiträume oder die Einbeziehung einer größeren Anzahl von Videos pro Account. Darüber hinaus erscheint eine differenziertere Berücksichtigung verschiedener Videoformate beziehungsweise Beitragsarten sinnvoll. Dies betrifft etwa politische Reden, erklärende Videos, persönliche Statements oder narrativ inszenierte Inhalte. Entsprechende Kategorien müssten voraussichtlich zunächst induktiv am Material entwickelt werden, um der Vielfalt der Darstellungsformen auf der Plattform angemessen Rechnung zu tragen.
Darüber hinaus wären plattformvergleichende Untersuchungen besonders aufschlussreich. Da identische oder sehr ähnliche Inhalte häufig auf mehreren Plattformen veröffentlicht werden, könnten vergleichbare Erhebungen auch auf Instagram, Facebook oder weiteren sozialen Netzwerken durchgeführt werden. Auf dieser Grundlage ließe sich analysieren, ob und inwiefern Unterschiede in der Performance zwischen den Plattformen bestehen und welche Faktoren diese Unterschiede möglicherweise erklären können.
Darüber hinaus wäre zu prüfen, inwiefern plattformspezifische Rahmenbedingungen, insbesondere algorithmische Sichtbarkeitslogiken sowie Fragen der Datenverfügbarkeit und Transparenz, politische Kommunikationspraktiken und deren Reichweitenpotenzial beeinflussen.
Meta - Diskussion
TikTok ist im Kontext politischer Kommunikation nicht ausschließlich als zusätzlicher Kommunikationskanal zu verstehen, sondern auch als Plattform, deren strukturelle Rahmenbedingungen Sichtbarkeit, Rezeption und Reichweite politischer Inhalte wesentlich mitbestimmen können. Für zukünftige Forschung erscheint es daher sinnvoll, TikTok nicht nur auf Ebene einzelner Inhalte und Akteur:innen zu analysieren, sondern auch plattformspezifische Bedingungen systematischer zu berücksichtigen.
Dabei rücken insbesondere algorithmische Selektionsmechanismen in den Fokus, da diese beeinflussen, welche Inhalte überhaupt Reichweite erzielen und welche Formen politischer Kommunikation auf der Plattform begünstigt werden. Ebenso ist davon auszugehen, dass das Kurzvideoformat mit spezifischen Aufmerksamkeitslogiken verbunden ist, die sich auf die Darstellung politischer Themen auswirken können, etwa durch starke Verdichtung, Vereinfachung oder Kontextreduktion. In diesem Zusammenhang wären auch mögliche Effekte auf politische Meinungsbildungsprozesse näher zu untersuchen, beispielsweise im Hinblick auf Polarisierungstendenzen oder die Bildung abgeschlossener Öffentlichkeiten.
Darüber hinaus stellen Fragen des Datenschutzes, der Transparenz sowie des Jugend und Nutzerschutzes zentrale Rahmenbedingungen dar, die für die politische Nutzung der Plattform relevant sind. Auch Risiken wie Desinformation, manipulative Kommunikationsstrategien oder extremistische Inhalte sollten in weiterführenden Untersuchungen stärker berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund könnte zukünftige Forschung nicht nur die Chancen politischer Mobilisierung, insbesondere im Hinblick auf junge Zielgruppen, sondern auch potenzielle demokratiepolitische Herausforderungen systematischer analysieren.