Wer verwendet TikTok?

Wer nutzt TikTok in der österreichischen Politik? Dieser Abschnitt befasst sich mit der Frage, welche Politiker:innen auf der Plattform aktiv sind. Berücksichtigt werden dabei politische Funktion, Parteizugehörigkeit, Alter sowie die Nutzung weiterer Social Media Kanäle.

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Mehr als die Hälfte der EU-Abgeordneten sind auf  TikTok aktiv.

Eine zentrale Ausgangsfrage im Zusammenhang mit der politischen Nutzung von TikTok ist, welche politischen Akteur:innen die Plattform überhaupt verwenden. Entgegen den Erwartungen zeigt sich, dass insbesondere Abgeordnete des Europäischen Parlaments vergleichsweise häufig über einen TikTok Account verfügen. Mehr als 50% der EP Abgeordneten sind auf TikTok aktiv. Im Nationalrat fällt der Anteil deutlich geringer aus. Auf Landes und Bundesratsebene ist TikTok ebenfalls weniger verbreitet. Insgesamt verfügen dort nur knapp ein Viertel der politischen Akteur:innen über einen TikTok Account.

Eine mögliche Erklärung hierfür liegt in der unterschiedlichen öffentlichen Sichtbarkeit politischer Ämter. Abgeordnete im Europäischen Parlament sowie im Nationalrat stehen stärker im medialen Fokus als Politiker:innen auf Bundesratsebene oder in einzelnen Landtagen. Dies könnte dazu beitragen, dass sie ihre bereits bestehende Bekanntheit auf TikTok leichter in Reichweite und Sichtbarkeit übersetzen können.

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TikTok-Nutzung in Regierung höher als in Opposition.

Wie anhand der Grafik erkennbar ist, nutzen Teile der Regierung, sowohl auf Bundesebene als auch in den Landtagen, TikTok häufiger als Politiker:innen in der Opposition. Dies könnte unter anderem mit der höheren institutionellen Sichtbarkeit sowie mit verfügbaren personellen und organisatorischen Ressourcen zusammenhängen, die eine kontinuierliche Social Media Kommunikation erleichtern.

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In Tirol zeigt sich ein anderes Bild. 

Eine Ausnahme bildet der Tiroler Landtag. Dort verfügen vergleichsweise mehr Abgeordnete über einen TikTok Account. Auffällig ist zudem, dass TikTok in Tirol auch von oppositionellen Akteur:innen verstärkt genutzt wird, was darauf hindeuten könnte, dass die Plattform als Instrument der Sichtbarkeit und Mobilisierung eine besondere Rolle im politischen Wettbewerb einnimmt.

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Parteigesichter und Führungspositionen eher auf TikTok aktiv. 

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Politiker:innen, die innerhalb ihrer Partei eine formale Führungs- oder Funktionsposition innehaben. Dazu zählen etwa Vorsitzfunktionen wie Bundesobleute und Stellvertretungen,
Generalsekretär:innen, Bundesgeschäftsführer:innen, Klubobleute im Nationalrat und Stellvertretungen sowie
Vorsitze im Bundesrat, im Landtag oder im Europäischen Parlament. Diese Akteur:innen sind tendenziell häufiger auf TikTok präsent.

Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Funktionsträger:innen aufgrund ihrer Position über größere kommunikative Reichweite verfügen und stärker als „Gesichter“ ihrer Partei wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist anzunehmen, dass mit solchen Positionen auch höhere personelle Ressourcen für Öffentlichkeitsarbeit verbunden sind, wodurch digitale Kommunikationskanäle häufiger systematisch genutzt werden.

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Anteil der TikTok Nutzer:innen unterscheidet sich stark nach Partei. 

Ausgehend von der jeweiligen Partei variiert der Anteil der TikTok Nutzer:innen deutlich. Die höchste Präsenz auf TikTok zeigt sich bei Abgeordneten der MFG Partei, der KPÖ sowie bei parteilosen Politiker:innen. Keine Online Präsenz auf der Plattform weist hingegen das Team Kärnten Liste Köfer auf. Parteien wie die KPÖ Plus und die Liste Fritz liegen im Mittelfeld und positionieren sich damit zwischen den Nationalratsparteien.

Im Gesamtvergleich zeigt sich jedoch eine zentrale Limitation: Kleinere Parteien mit starker TikTok Präsenz weisen im Vergleich zu größeren Parteien häufig höhere relative Anteile auf. Dies ist insbesondere auf geringe Fallzahlen zurückzuführen. So gibt es beispielsweise nur eine parteilose Person im Datensatz, die über einen TikTok Account
verfügt, wodurch sich in dieser Gruppe ein Anteil von 100% ergibt.

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Grüne vorne, ÖVP hinten: klare Lücke bei den großen Parteien. 

Ein aussagekräftigerer Vergleich lässt sich daher zwischen den fünf größten Parteien ziehen. Dabei weisen die Grünen den höchsten Anteil an TikTok Nutzer:innen auf. Es folgen die NEOS, die Sozialdemokrat:innen sowie die Freiheitlichen. Besonders gering ist die Präsenz auf der Plattform bei Politiker:innen der Volkspartei. Ein möglicher
Zusammenhang könnte hierbei in der parteiinternen strategischen Ausrichtung digitaler Kommunikation liegen, ebenso wie in der Frage, welche Zielgruppen prioritär angesprochen werden.

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Bei Gesamtanzahl liegt SPÖ vorne. 

In absoluten Zahlen zeigt sich, dass die SPÖ mit über 50 Personen die meisten TikTok Nutzer:innen aufweist. Es folgen FPÖ und ÖVP mit jeweils über 40 Politiker:innen auf TikTok. Die Grünen liegen mit über 30 TikTok Nutzer:innen darunter. Die geringste absolute Anzahl an TikTok Nutzer:innen entfällt auf die NEOS.

Diese Unterschiede stehen auch mit der jeweiligen Parteigröße in Zusammenhang. Parteien mit mehr Mandatar:innen weisen bereits strukturell eine größere potenzielle Basis an Accounts auf. Darüber hinaus ist denkbar, dass größere Parteien häufiger über organisatorische und personelle Ressourcen verfügen, um digitale Öffentlichkeitsarbeit dauerhaft zu betreiben.

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Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Durchschnittsalter und Anteil an TikTok Nutzer:innen. 

Die Betrachtung des Durchschnittsalters der fünf größten Parteien im Zusammenhang mit ihrem jeweiligen Anteil an TikTok Nutzer:innen lässt keinen eindeutigen Zusammenhang erkennen. Zwar weisen Parteien mit einem höheren Durchschnittsalter, etwa FPÖ, SPÖ und ÖVP, tendenziell einen geringeren Anteil an TikTok Nutzer:innen auf
als die NEOS, deren Politiker:innen im Durchschnitt jünger sind. Dieses Muster zeigt sich jedoch nicht durchgängig. Die Grünen verfügen über den höchsten Anteil an TikTok Nutzer:innen, obwohl ihr Durchschnittsalter im Mittelfeld liegt.

Das Durchschnittsalter allein kann die TikTok Nutzung der Parteien daher nicht erklären. Vielmehr könnten auch parteispezifische Kommunikationsstrategien und der Stellenwert digitaler Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Rolle spielen.

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grafik gender

Bei getrennter Betrachtung von Frauen und Männern zeigt sich kein Unterschied im jeweiligen Anteil an Politiker:innen mit TikTok Account.

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Je jünger, desto eher auf TikTok aktiv. 

Die Daten zeigen, dass jüngere Politiker:innen mit höherer Wahrscheinlichkeit über einen TikTok Account verfügen als ältere Politiker:innen. Dabei wird ein klarer Trend sichtbar: Mit zunehmendem Geburtsjahr und damit sinkendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, auf TikTok aktiv zu sein.

Eine mögliche Erklärung liegt in der unterschiedlichen Vertrautheit mit digitalen Medien. Jüngere Politiker:innen könnten soziale Medien stärker in ihren politischen Alltag integrieren und TikTok daher häufiger auch als strategischen Kommunikationskanal nutzen.

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Tirol ist TikTok-Spitzenreiter. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person auf TikTok präsent ist, variiert je nach Bundesland, in dem sie eine politische Funktion ausübt. Tirol weist mit knapp unter 50% den höchsten Anteil an Politiker:innen mit TikTok Account auf. Mit deutlichem Abstand folgen die übrigen Bundesländer. Den geringsten Anteil an Politiker:innen auf TikTok verzeichnen hingegen Vorarlberg sowie das Burgenland.

Diese Unterschiede könnten mit verschiedenen Schwerpunkten politischer Öffentlichkeitsarbeit in den Bundesländern zusammenhängen. Ebenso ist denkbar, dass lokale Dynamiken, parteipolitische Konstellationen oder regionale Kommunikationskulturen die Nutzung sozialer Medien beeinflussen.

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Wer TikTok nutzt, ist meist auch auf Instagram und Facebook aktiv.

Facebook ist die am häufigsten genutzte Plattform österreichischer Politiker:innen. Nahezu 90% sind dort präsent, während Instagram an zweiter Stelle folgt. Demgegenüber ist TikTok deutlich weniger verbreitet, da nur rund ein Drittel der Politiker:innen dort vertreten ist.

Darüber hinaus zeigt sich, dass Politiker:innen, die weder auf Instagram noch auf Facebook präsent sind, deutlich seltener über einen TikTok Account verfügen als jene, die auf einer oder beiden Plattformen aktiv sind. Politiker:innen mit TikTok Account betreiben somit in der Regel auch Instagram und Facebook Accounts. Insgesamt deutet dies darauf hin, dass TikTok häufig ergänzend zu bereits etablierten Plattformen genutzt wird und seltener als primärer Kommunikationskanal dient.